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Archiv für Dezember, 2010

Probleme mit offenen Fragen und im Zusammenhang mit der Aufgabenbeschreibung in selbst-administrierten Fragen

22. Dezember 2010

Im letzten Teil unserer Serie zum Thema „Systematische Evaluation der Fragenqualität“, welche auf dem Fragenbewertungssystem (FBS) von Faulbaum, Prüfer und Rexroth (2009) basiert, geht es zum einen um offene Fragen und zum anderen um Probleme im Zusammenhang mit der Aufgabenbeschreibung in selbst-administrierten Fragen.

Offene Fragen werden häufig in Vorstudien eingesetzt, um Informationen über einen noch unbekannten Sachverhalt zu sammeln. Diese werden dann in der Regel im Nachgang für die Erstellung von Antwortkategorien einer geschlossenen Frage weiter verarbeitet.
Sie haben den Vorteil, dass der Befragte seinen Gedanken und Ideen freien Lauf lassen kann, ohne sie in ein vorgegebenes Kategorienschema pressen zu müssen. Jedoch stellen Sie einen gewissen Anspruch an den Befragten im Hinblick auf Zeit, Konzentration und Verbalisierungsfähigkeit.

Um zu verhindern, dass Antworten auf offene Fragen unter Umständen nicht ausführlich oder präzise genug sind, um sie richtig zu interpretieren, sollte darauf geachtet werden, dass der Bezugsrahmen der Frage eindeutig vorgegeben ist. Dies bedeutet, dass eine Frage eindeutig präzise formuliert werden muss, so dass der Befragte weiß, worauf es dem Forscher bei der Frage ankommt. Nur so ist sichergestellt, dass der Befragte inhaltliche Aspekte bei seiner Antwort anspricht, welche für den Forscher von Relevanz sind.

Zum Abschluss weist das Fragenbewertungssystem im Zusammenhang mit der Aufgabenbeschreibung darauf hin, dass jede Frage – abgesehen von Alternativfragen – immer mit einer Anweisung/ Instruktion (im besten Fall kursiv gedruckt) verbunden werden sollte. Z.B. falls die Zielsetzung der Frage nur eine Antwort zulässt:

• Bitte kreuzen Sie nur ein Kästchen an

Falls Mehrfachnennungen möglich sind:

• Sie können mehrere Kästchen ankreuzen

Somit wird der Befragte zielgerichtet bei der Beantwortung der Frage geleitet, so dass die Frage im Sinne des Forschers beantwortet wird.

Ferner sollte darauf geachtet werden, dass das zu beantwortende Antwortschema nicht zu komplex gestaltet ist. In solchen Fällen kann es nämlich passieren, dass der Befragte die Frage wegen Verständnisproblemen oder Zeitmangel, sich die Frage erneut durch zu lesen, nur halbwegs beantwortet oder gar ganz auslässt.
Dass der Fragetext vollständig sein soll, versteht sich im Prinzip von selbst. Dieses Problem tritt häufig bei Fragen zur Demographie auf, wobei bspw. lediglich nach dem „persönlichen Schulabschluss“ oder „Größe“ gefragt wird. Solche unvollständigen Fragen können zu Antworten führen, welche nicht im Sinne des Forschers sind.

Aus: Faulbaum, Frank/ Prüfer, Peter/ Rexroth, Margrit: Was ist eine gute Frage? Die systematische Evaluation der Fragenqualität, Wiesbaden 2009, S.111 ff.

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Mögliche Fehlerquellen bei der Vorgabe von Antworten bzw. Antwortskalen

10. Dezember 2010

Das Fragebewertungssystem von Faulbaum, Prüfer und Rexroth (2009) verweist auf zentrale Aspekte bei der Gestaltung von Antwortvorgaben bzw. -skalen.

Grundlegend ist es wichtig, dass Antwortvorgaben zur Frage passen. D.h., wenn eine Frage in der Form gestellt ist, dass sie mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden kann, dann sollten diese Antwortmöglichkeiten auch die Antwortvorgaben bilden. Ist dies nicht der Fall, kann dies bei aufmerksamen Befragten zu Irritationen führen, was im Zweifelsfall zum Auslassen der Frage führen kann.

Außerdem sollte bei den Antwortvorgaben darauf geachtet, dass sie sich nicht überschneiden. In dem Fall, dass bspw. nach der Häufigkeit einer bestimmten Aktivität gefragt und die Antwortvorgaben „täglich – mindestens einmal pro Woche oder am Wochenende – einmal im Monat oder seltener – unregelmäßig – gar nicht“ präsentiert werden, fällt auf, dass die Antwortmöglichkeit „unregelmäßig“ eine andere Dimension anspricht als die übrigen. Wenn der besagten Aktivität lediglich ein Skalenpunkt zugeordnet werden kann und Probanden lediglich unregelmäßig am Wochenende die Aktivität durchführen, ist es nicht eindeutig klar, wie die Frage zu beantworten ist.

Im Fall, dass eine lange Liste an Antwortvorgaben besteht, welche vom Befragten angeklickt werden müssen, wenn sie auf ihn zutreffen, besteht die Gefahr, dass die Aufmerksamkeit beim Durchlesen der Liste nachlässt bzw. Probanden nicht die gesamte Liste lesen. Um Verzerrungen in den Daten aufgrund dieser Effekte auszuschließen, sollte eine Randomisierung der Antwortmöglichkeiten eingestellt werden. Alternativ können Probanden dazu angehalten werden, die Antwortmöglichkeiten einzeln und sukzessive mit „Ja/ Nein“ bzw. „Gibt es/ Gibt es nicht“ zu beantworten.

Des Weiteren sollte darauf geachtet werden, dass die Antwortvorgaben vollständig sind. Hierbei sei erwähnt, dass die Antwortkategorie „Sonstiges/ Andere“ häufig als eine Art Restkategorie genutzt werden kann, um Befragten eine Antwortoption anzubieten, welche nicht zu einer der vorhandenen Antworten passt.
Dass Antwortvorgaben logisch und systematisch aufgebaut sein sollen, versteht sich von selbst. Dies bedeutet, dass die Antwortkategorien einer logischen Abstufungsreihenfolge entsprechen und demnach keinen logischen Bruch enthalten. Dies ist der Fall, wenn die Abstände zwischen Skalenpunkten gleich bzw. ausbalanciert sind.

Letztlich sollte darauf geachtet werden, dass vorgegebene Skalen das Antwortverhalten von Probanden deutlich beeinflussen können. Dies liegt daran, dass Probanden in der Regel davon ausgehen, dass Antwortvorgaben den typischen, durchschnittlichen Werten bzw. Antwortkategorien entsprechen. Somit können z.B. zahlenmäßige Antwortvorgaben Ankerpunkte im Kopf des Befragten setzen, welche die Antwort in eine entsprechende Richtung lenken. Um dies zu vermeiden, werden im Kontext spezifischer Untersuchungsgegenstände, wie bspw. persönliches Verhalten, eher offene Fragen empfohlen.

Allgemeines

Wirkungen von „Weiss-nicht“-Kategorien bei Einstellungsfragen sowie Auswirkungen des Fragenkontext

6. Dezember 2010

Das Fragebewertungssystem von Faulbaum, Prüfer und Rexroth (2009) weist im Zusammenhang mit Einstellungsfragen auf die Frage hin, ob Zusatzkategorien, wie „weiß nicht“ oder „habe dazu keine Meinung“ als Antwortmöglichkeiten vorgegeben werden sollen oder nicht. Für beide Optionen bestehen Vor- sowie Nachteile.

Ein Vorteil dieser Antwortkategorien ist, dass in den Befragungsdaten kaum Antworten von meinungslosen Befragten enthalten sind, da sie nicht gezwungen werden, die jeweilige Frage zu beantworten. Vielmehr können sie die Antwortkategorie „weiß nicht“ auswählen. Wenn diese Antwortkategorien nicht vorliegen, werden alle Befragungsteilnehmer, auch im Fall von Meinungslosigkeit, zur Antwort gezwungen, was dazu führt, dass auch willkürliche Antworten in die Datenanalyse mit eingehen.

Ein Nachteil dieser Art von Antwortkategorien ist, dass Befragte, welche eine geringe Antwortbereitschaft zur Frage haben, bspw. aus Bequemlichkeit auf die „weiß nicht“ Kategorie ausweichen. Werden diese Antwortmöglichkeiten ausgespart, beantworten auch solche Personen die Frage, welche lediglich eine schwache oder vage Meinung haben. Somit erhöht sich die Datenbasis.

In der Literatur gehen die Meinungen, welche Vor- & Nachteile überwiegen, auseinander. Die Autoren empfehlen die explizite Vorgabe einer „weiß-nicht“-Kategorie, wenn es sich nicht um eine Einstellungsfrage handelt. Wenn nämlich ein gewisses Maß an Wissen für die Beantwortung von Fragen notwendig ist, dann sollte vermieden werden, dass Meinungslose die Frage inhaltlich beantworten.
Ferner sollte bei der Fragebogenerstellung darauf geachtet werden, dass die Fragen in dem richtigen Kontext bzw. Reihenfolge gestellt werden. Sonst kann es passieren, dass Fragen nicht im intendierten Kontext verstanden und beantwortet werden bzw. die Antwort einer Frage die Beantwortung nachfolgender Fragen beeinflusst. Letzteres wird in der Literatur als Reihenfolgeeffekte oder Positionseffekt bezeichnet.

Im Wesentlichen lassen sich folgende Arten von Reihenfolgeeffekten unterscheiden:

• Konsistenz- bzw. Assimilationseffekte: Hierbei versucht der Befragte eine Art „Stimmigkeit“ bzw. Konsistenz in den Antworten auf zwei (oder mehr) unterschiedlichen Fragen herzustellen.
• Kontrasteffekte: Dabei versuchen Befragte, Unterschiede in der Fragestellung auch im Antwortverhalten deutlich zum Ausdruck zu bringen.
• Effekte des Bezugsrahmens: Gewisse Fragen können dazu führen, dass sich das Antwortverhalten gegenseitig beeinflusst, wenn sie vom Befragten in denselben Bezugsrahmen gestellt werden.

Diese Effekte stellen ein nicht unerhebliches Problem der Fragebogengestaltung dar, das oftmals nur z.T. durch einen Tausch der Reihenfolge zu lösen ist.

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