Probleme mit offenen Fragen und im Zusammenhang mit der Aufgabenbeschreibung in selbst-administrierten Fragen
Im letzten Teil unserer Serie zum Thema „Systematische Evaluation der Fragenqualität“, welche auf dem Fragenbewertungssystem (FBS) von Faulbaum, Prüfer und Rexroth (2009) basiert, geht es zum einen um offene Fragen und zum anderen um Probleme im Zusammenhang mit der Aufgabenbeschreibung in selbst-administrierten Fragen.
Offene Fragen werden häufig in Vorstudien eingesetzt, um Informationen über einen noch unbekannten Sachverhalt zu sammeln. Diese werden dann in der Regel im Nachgang für die Erstellung von Antwortkategorien einer geschlossenen Frage weiter verarbeitet.
Sie haben den Vorteil, dass der Befragte seinen Gedanken und Ideen freien Lauf lassen kann, ohne sie in ein vorgegebenes Kategorienschema pressen zu müssen. Jedoch stellen Sie einen gewissen Anspruch an den Befragten im Hinblick auf Zeit, Konzentration und Verbalisierungsfähigkeit.
Um zu verhindern, dass Antworten auf offene Fragen unter Umständen nicht ausführlich oder präzise genug sind, um sie richtig zu interpretieren, sollte darauf geachtet werden, dass der Bezugsrahmen der Frage eindeutig vorgegeben ist. Dies bedeutet, dass eine Frage eindeutig präzise formuliert werden muss, so dass der Befragte weiß, worauf es dem Forscher bei der Frage ankommt. Nur so ist sichergestellt, dass der Befragte inhaltliche Aspekte bei seiner Antwort anspricht, welche für den Forscher von Relevanz sind.
Zum Abschluss weist das Fragenbewertungssystem im Zusammenhang mit der Aufgabenbeschreibung darauf hin, dass jede Frage – abgesehen von Alternativfragen – immer mit einer Anweisung/ Instruktion (im besten Fall kursiv gedruckt) verbunden werden sollte. Z.B. falls die Zielsetzung der Frage nur eine Antwort zulässt:
• Bitte kreuzen Sie nur ein Kästchen an
Falls Mehrfachnennungen möglich sind:
• Sie können mehrere Kästchen ankreuzen
Somit wird der Befragte zielgerichtet bei der Beantwortung der Frage geleitet, so dass die Frage im Sinne des Forschers beantwortet wird.
Ferner sollte darauf geachtet werden, dass das zu beantwortende Antwortschema nicht zu komplex gestaltet ist. In solchen Fällen kann es nämlich passieren, dass der Befragte die Frage wegen Verständnisproblemen oder Zeitmangel, sich die Frage erneut durch zu lesen, nur halbwegs beantwortet oder gar ganz auslässt.
Dass der Fragetext vollständig sein soll, versteht sich im Prinzip von selbst. Dieses Problem tritt häufig bei Fragen zur Demographie auf, wobei bspw. lediglich nach dem „persönlichen Schulabschluss“ oder „Größe“ gefragt wird. Solche unvollständigen Fragen können zu Antworten führen, welche nicht im Sinne des Forschers sind.
Aus: Faulbaum, Frank/ Prüfer, Peter/ Rexroth, Margrit: Was ist eine gute Frage? Die systematische Evaluation der Fragenqualität, Wiesbaden 2009, S.111 ff.














