Nicht-intendierte Nebeneffekte von Fragen
Das Fragebewertungssystem von Faulbaum, Prüfer und Rexroth (2009) weist auf nicht-intendierte Nebeneffekte von Fragen hin, welche vom Umfrageautor bei der Prüfung von Fragen berücksichtigt werden sollten, um die Gefahr von Verzerrungen im Antwortverhalten aus zu schließen. Hintergrund ist, dass bestimmte Frageformulierungen oder Themen Ängste oder Bedenken bei Befragten auslösen können mit der Folge, dass möglicherweise keine oder falsche Antworten gegeben werden.
Im Allgemeinen bestehen unterschiedliche Fragetypen, welche nicht-intendierte Nebeneffekte auslösen können. Dazu zählen Fragen, welche beim Probanden eine subjektive Bedrohlichkeit auslösen, da sie Ängste und/ oder Bedenken wecken. Der Extremfall wären Fragen, bei denen der Befragte bei aufrichtiger Beantwortung mit einer tatsächlichen Strafe bzw. Sanktionierung rechnen müsste.
Dazu gehören u.a. Fragen zu
• delinquentem Verhalten
• Alkoholkonsum
• Sexualverhalten
Außerdem können Fragen, welche die Privatheit oder soziale Erwünschtheit betreffen, nicht-intendierte Nebeneffekte auslösen. Diese Art von Fragen können vom Probanden dazu genutzt werden, um sich bspw. in einem besseren Licht darzustellen.
Hierzu gehören u.a. Fragen, die Informationen erheben über
• Anzahl der Sexualpartner
• Anzahl der Bücher im Haushalt
• Teilnahme an Wahlen
Weitere nicht-intendierte Effekte können im Rahmen von Suggestivfragen auftreten. Dabei wird das Antwortverhalten aufgrund einer nicht-neutralen Formulierung unfreiwillig in eine bestimmte Richtung gelenkt. Des Weiteren treten nicht-intendierte Effekte bei Einstellungsfragen auf, im Fall, dass mögliche Alternativen nicht explizit ausformuliert sind.
Ob eine Frage vom Probanden jedoch tatsächlich als bedenklich, bedrohlich oder entsprechend einer sozialen Erwünschtheit vorbelastet empfunden wird, hängt grundlegend jedoch von der Bezugsgruppe des Befragten, dem Befragten selber und – bei Interviewer-administrierten Interviews – von Interviewermerkmalen ab.
Die Autoren des Fragebewertungssystems schlagen in diesem Zusammenhang einige Maßnahmen vor, um das Ausmaß der Bedrohlichkeit bzw. Sensibilität einzugrenzen, sozial unerwünschtes Antwortverhalten als akzeptabel erscheinen zu lassen und weitere nicht-intendierte Effekte auszuschließen.
Dazu gehören:
• Begründung der Fragen im Rahmen einer kurzen Einleitung, um die Notwendigkeit der heiklen Fragen darzustellen
• „Indirekt“ fragen
• Sozial unerwünschte Antworten durch gute Entschuldigungen oder den Hinweis akzeptabler machen, dass Andere auch so geantwortet haben
• Emotional besetzte Formulierungen durch neutrale Begriffe ersetzen
• Betonung der Anonymität
• Keine Suggestivfragen
• Alle Antwortmöglichkeiten aufzählen



