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Artikel Tagged ‘Tipps’

Mögliche Fehlerquellen bei der Vorgabe von Antworten bzw. Antwortskalen

10. Dezember 2010

Das Fragebewertungssystem von Faulbaum, Prüfer und Rexroth (2009) verweist auf zentrale Aspekte bei der Gestaltung von Antwortvorgaben bzw. -skalen.

Grundlegend ist es wichtig, dass Antwortvorgaben zur Frage passen. D.h., wenn eine Frage in der Form gestellt ist, dass sie mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden kann, dann sollten diese Antwortmöglichkeiten auch die Antwortvorgaben bilden. Ist dies nicht der Fall, kann dies bei aufmerksamen Befragten zu Irritationen führen, was im Zweifelsfall zum Auslassen der Frage führen kann.

Außerdem sollte bei den Antwortvorgaben darauf geachtet, dass sie sich nicht überschneiden. In dem Fall, dass bspw. nach der Häufigkeit einer bestimmten Aktivität gefragt und die Antwortvorgaben „täglich – mindestens einmal pro Woche oder am Wochenende – einmal im Monat oder seltener – unregelmäßig – gar nicht“ präsentiert werden, fällt auf, dass die Antwortmöglichkeit „unregelmäßig“ eine andere Dimension anspricht als die übrigen. Wenn der besagten Aktivität lediglich ein Skalenpunkt zugeordnet werden kann und Probanden lediglich unregelmäßig am Wochenende die Aktivität durchführen, ist es nicht eindeutig klar, wie die Frage zu beantworten ist.

Im Fall, dass eine lange Liste an Antwortvorgaben besteht, welche vom Befragten angeklickt werden müssen, wenn sie auf ihn zutreffen, besteht die Gefahr, dass die Aufmerksamkeit beim Durchlesen der Liste nachlässt bzw. Probanden nicht die gesamte Liste lesen. Um Verzerrungen in den Daten aufgrund dieser Effekte auszuschließen, sollte eine Randomisierung der Antwortmöglichkeiten eingestellt werden. Alternativ können Probanden dazu angehalten werden, die Antwortmöglichkeiten einzeln und sukzessive mit „Ja/ Nein“ bzw. „Gibt es/ Gibt es nicht“ zu beantworten.

Des Weiteren sollte darauf geachtet werden, dass die Antwortvorgaben vollständig sind. Hierbei sei erwähnt, dass die Antwortkategorie „Sonstiges/ Andere“ häufig als eine Art Restkategorie genutzt werden kann, um Befragten eine Antwortoption anzubieten, welche nicht zu einer der vorhandenen Antworten passt.
Dass Antwortvorgaben logisch und systematisch aufgebaut sein sollen, versteht sich von selbst. Dies bedeutet, dass die Antwortkategorien einer logischen Abstufungsreihenfolge entsprechen und demnach keinen logischen Bruch enthalten. Dies ist der Fall, wenn die Abstände zwischen Skalenpunkten gleich bzw. ausbalanciert sind.

Letztlich sollte darauf geachtet werden, dass vorgegebene Skalen das Antwortverhalten von Probanden deutlich beeinflussen können. Dies liegt daran, dass Probanden in der Regel davon ausgehen, dass Antwortvorgaben den typischen, durchschnittlichen Werten bzw. Antwortkategorien entsprechen. Somit können z.B. zahlenmäßige Antwortvorgaben Ankerpunkte im Kopf des Befragten setzen, welche die Antwort in eine entsprechende Richtung lenken. Um dies zu vermeiden, werden im Kontext spezifischer Untersuchungsgegenstände, wie bspw. persönliches Verhalten, eher offene Fragen empfohlen.

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Wirkungen von „Weiss-nicht“-Kategorien bei Einstellungsfragen sowie Auswirkungen des Fragenkontext

6. Dezember 2010

Das Fragebewertungssystem von Faulbaum, Prüfer und Rexroth (2009) weist im Zusammenhang mit Einstellungsfragen auf die Frage hin, ob Zusatzkategorien, wie „weiß nicht“ oder „habe dazu keine Meinung“ als Antwortmöglichkeiten vorgegeben werden sollen oder nicht. Für beide Optionen bestehen Vor- sowie Nachteile.

Ein Vorteil dieser Antwortkategorien ist, dass in den Befragungsdaten kaum Antworten von meinungslosen Befragten enthalten sind, da sie nicht gezwungen werden, die jeweilige Frage zu beantworten. Vielmehr können sie die Antwortkategorie „weiß nicht“ auswählen. Wenn diese Antwortkategorien nicht vorliegen, werden alle Befragungsteilnehmer, auch im Fall von Meinungslosigkeit, zur Antwort gezwungen, was dazu führt, dass auch willkürliche Antworten in die Datenanalyse mit eingehen.

Ein Nachteil dieser Art von Antwortkategorien ist, dass Befragte, welche eine geringe Antwortbereitschaft zur Frage haben, bspw. aus Bequemlichkeit auf die „weiß nicht“ Kategorie ausweichen. Werden diese Antwortmöglichkeiten ausgespart, beantworten auch solche Personen die Frage, welche lediglich eine schwache oder vage Meinung haben. Somit erhöht sich die Datenbasis.

In der Literatur gehen die Meinungen, welche Vor- & Nachteile überwiegen, auseinander. Die Autoren empfehlen die explizite Vorgabe einer „weiß-nicht“-Kategorie, wenn es sich nicht um eine Einstellungsfrage handelt. Wenn nämlich ein gewisses Maß an Wissen für die Beantwortung von Fragen notwendig ist, dann sollte vermieden werden, dass Meinungslose die Frage inhaltlich beantworten.
Ferner sollte bei der Fragebogenerstellung darauf geachtet werden, dass die Fragen in dem richtigen Kontext bzw. Reihenfolge gestellt werden. Sonst kann es passieren, dass Fragen nicht im intendierten Kontext verstanden und beantwortet werden bzw. die Antwort einer Frage die Beantwortung nachfolgender Fragen beeinflusst. Letzteres wird in der Literatur als Reihenfolgeeffekte oder Positionseffekt bezeichnet.

Im Wesentlichen lassen sich folgende Arten von Reihenfolgeeffekten unterscheiden:

• Konsistenz- bzw. Assimilationseffekte: Hierbei versucht der Befragte eine Art „Stimmigkeit“ bzw. Konsistenz in den Antworten auf zwei (oder mehr) unterschiedlichen Fragen herzustellen.
• Kontrasteffekte: Dabei versuchen Befragte, Unterschiede in der Fragestellung auch im Antwortverhalten deutlich zum Ausdruck zu bringen.
• Effekte des Bezugsrahmens: Gewisse Fragen können dazu führen, dass sich das Antwortverhalten gegenseitig beeinflusst, wenn sie vom Befragten in denselben Bezugsrahmen gestellt werden.

Diese Effekte stellen ein nicht unerhebliches Problem der Fragebogengestaltung dar, das oftmals nur z.T. durch einen Tausch der Reihenfolge zu lösen ist.

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Systematische Fehler bei der Fragengestaltung aufgrund schwieriger mentaler Leistungsanforderungen

8. Oktober 2010

Das Fragebewertungssystem von Faulbaum, Prüfer und Rexroth (2009) weist auf Probleme beim Beantworten von Fragen aufgrund schwieriger Berechnungen bzw. Schätzungen sowie komplexer mentaler Leistungen hin.

Eine schwierige Berechnung oder eine diffizile Schätzung zur Beantwortung einer Frage kann Probanden vor Probleme stellen, wenn die geforderte Aufgabe die kognitiven Fähigkeiten übersteigt oder der Aufwand zur Lösung der Aufgabe unangemessen hoch ist. Von daher sollte die Rechen- bzw. Schätzleistung im Rahmen von Fragen nicht zu schwierig sein, um (fast) jedem Befragungsteilnehmer das Beantworten der jeweiligen Frage zu ermöglichen. Im Rahmen eines Pretests lässt sich normalerweise gut überprüfen, ob das Gros der Probanden in der Lage ist, die jeweiligen Frage(n) zu beantworten. Dies gilt natürlich nicht für den Fall, wenn Befragungsteilnehmer aufgrund ihrer Rechen- bzw. Schätzleistungen klassifiziert werden sollen. Dabei werden Befragungsteilnehmern in der Regel mehrere Leistungen unterschiedlicher Schwierigkeit abverlangt, um sie letztlich entsprechend ihrem Leistungsniveau zu gruppieren.

Neben dem Berechnen oder Erinnern beeinflussen weitere persönliche mentale Leistungsfähigkeiten das Beantworten von Fragen. Dazu gehört u.a. die Fähigkeit, Sachverhalten miteinander zu verknüpfen oder sich alltagsferne Ereignisse und Sachverhalte vorzustellen. Dies gilt vor allem im Zusammenhang mit einer Befragungsart, bei welcher dem Befragungsteilnehmer keine visuellen Hilfen zum unterstützenden Frageverständnis angeboten werden können (bspw. bei Telefonumfragen) oder der Fragetext nicht beliebig wiederholt werden kann. Dies sollte bei jeder Fragengestaltung berücksichtigt werden, indem nicht allzu lange Fragetexte mit nicht allzu vielen komplizierten Informationen gestellt werden, um den Probanden nicht zu überfrachten. Nur dann ist gewährleistet, dass er auch in der Lage ist, die gegebenen Informationen zu verarbeiten und im Anschluss eine adäquate Antwort zu geben. Auch hier kann eine Pretest Abhilfe schaffen und jene Fragen identifizieren, die den Probanden aufgrund schwer verständlicher Fragen Probleme beim Beantworten bereiten.

Eine gute Möglichkeit Pretest-Kommentare zu gewinnen bietet die Teilnahme am Unipark Pretester-Pool.

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Systematische Fehler bei der Fragengestaltung anhand unzutreffender Annahmen und schwieriger Erinnerungsleistungen (FBS)

30. September 2010

Nachdem im letzten Blogbeitrag zum Fragebewertungssystem (vom 31.08.10) Probleme im Zusammenhang mit Wörtern und Texten vorgestellt wurden, geht es im Folgenden um eine weitere Fehlerquelle - systematische Fehler aufgrund unzutreffender Annahmen über Befragte und schwierige Erinnerungsleistungen.

Wenn eine Frage von unzutreffenden Annahmen über Merkmale bzw. Verhaltensweisen von Befragten ausgeht, kann es aufgrund einer falschen Interpretation der Frage zu Verzerrungen im Antwortverhalten kommen.
Wenn bspw. nach der Häufigkeit eines Ereignisses gefragt wird (z.B. Wie oft kaufen Sie Lebensmittel mit niedrigem Salzgehalt in einem Reformhaus?) und die Antwortmöglichkeiten von „immer“ bis „nie“ reichen, drückt letztere im Zweifelsfall keine intendierte Häufigkeit aus, sondern vielmehr den Fall, dass jenes Ereignis auf die Befragungsperson gar nicht zutrifft. In diesem Fall ist „nie“ nicht als Häufigkeit anzusehen, sondern als Verneinung zu eben jenem Ereignis. Der Fehler im Rahmen der Auswertung rührt daher, dass bei der Berechnung der prozentualen Anteile der Häufigkeitskategorien im Fall der Antwort „nie“ auch die „trifft nicht zu“ – Fälle mit einbezogen werden. Aus diesem Grund macht es in einem solchen Fall mehr Sinn eine weitere Antwortkategorie, wie „trifft für mich nicht zu“, mit aufzunehmen.

Ein weiterer systematischer Fehler kann im Zusammenhang mit schwierigen Erinnerungsleistungen auftreten. In diesen Fällen kann es passieren, dass bei der Erhebung retrospektiver Daten vom Proband lediglich eine grobe Schätzungen abgegeben wird oder gar keine Erinnerungsleistung erbracht werden kann, weil sie zu schwierig ist (bspw. weil der zurückliegende Zeitpunkt zu lange her ist oder der zurückliegende Zeitrahmen zu lang ist). Erinnerungsfragen können unterschiedliche Arten von Daten erheben. Die Wichtigsten sind:

• Fragen zur Datierung von Ereignissen („Wann fand das Ereignis statt?“)
• Fragen zu Zeitdauern („Wie lange dauerte das Ereignis?“)
• Fragen nach Zeiträumen, die seit dem Eintritt des Ereignisses vergangen sind („Wie viel Zeit ist seit dem Ereignis vergangen?“)
• Fragen nach der Ereignishäufigkeit („Wie oft ist das Ereignis eingetreten?“)

Diese Art von Fehler wird im Regelfall umso größer, je weiter das betreffende Ereignis zurückliegt. D.h., die Genauigkeit sowie die Zuverlässigkeit der gelieferten Information werden in diesen Fällen beeinträchtigt. Zur Stützung des Erinnerungsvermögens des Probanden können gut erinnerbare Ankerpunkte, wie bspw. Weihnachten oder Geburtstage, gesetzt werden. Ferner können im Vorfeld wichtige persönliche Ereignisse vom Probanden erfragt werden, um dadurch eine bessere Orientierung zu ermöglichen. In jedem Fall sollte bei Fragen dieser Art, immer eine zusätzliche Antwortkategorie „Kann mich nicht erinnern“ beigefügt werden, um dem Probanden eine Ausschlussmöglichkeit anzubieten.

Aus: Faulbaum, Frank/ Prüfer, Peter/ Rexroth, Margrit: Was ist eine gute Frage? Die systematische Evaluation der Fragenqualität, Wiesbaden 2009, S. 155 ff

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Probleme mit Worten/ Texten im Rahmen des Fragebewertungssystems (FBS)

31. August 2010

Nachdem im Blogbeitrag vom 23.08.10 das Fragebewertungssystem von Faulbaum, Prüfer und Rexroth (2009) dargestellt wurde, geht es im Folgenden Beitrag um die erste Kategorie der FBS-Checkliste – Probleme mit Worten und Texten.

Die im Sinne des Umfrageforschers korrekte inhaltliche Deutung einer Frage und Antwort ist für die Messung eines spezifischen Konstrukts unabdingbare Voraussetzung. Wenn der Befragte hingegen eine Frage nicht entsprechend der Intention des Umfrageforschers versteht, misst die Frage etwas anderes als beabsichtigt. Dies gilt es zu vermeiden, so dass der Befragte der Frage eindeutig entnehmen kann, welche Leistung von ihm verlangt wird.

Wenn ein Fragetext Worte oder Formulierungen mit vager bzw. unklarer Bedeutung enthält, kann es passieren, dass eine Frage nicht von allen Befragten in gleicher Weise verstanden wird.
Beispiele hierzu sind:

• Bezeichnungen mit unklarer Referenz
• Worte, die keine genaue Datierung des Zeitpunkts eines Ereignisses ausdrücken
• Worte, die eine Ungenauigkeit der Häufigkeit (immer, häufig, manchmal) , Intensität (stark, groß, ernst, leicht) oder Menge (fast, alles, einige) ausdrücken

Eine Frage, welche inhaltlich verschiede Sachverhalte anspricht, unterbindet eine Antwortdifferenzierung, so dass Befragte dazu gezwungen werden, mehrere Sachverhalte zusammen zu beantworten. Fragen, welche diesen Konstruktionsfehler beinhalten, lassen sich daran erkennen, dass Fragen/ Aussagen mit unterschiedlichen Begriffen/ Inhalten mit Wörtern wie „und“, „sowie“, „oder“, „weil“ verbunden sind.
Ein weiteres Problem besteht darin, dass der inhaltliche Fokus des Einleitungstexts nicht dem der Frage/ Aussage entspricht. Dies kann dazu führen, dass die Frage/ Aussage vom Befragten nicht so verstanden wird, wie sie verstanden werden soll.

Antworten auf hypothetische Fragen sind oftmals wenig valide, da sie sich nicht auf gemachte, reale Erfahrungen beziehen und sie demnach für den Befragten schwieriger zu beantworten sind. Somit sollte diese Art von Fragen nur dann gestellt werden, wenn sie auch tatsächlich erforderlich sind. Bspw. im Hinblick auf Zukunftsvorstellungen, Zukunftsängsten oder Plänen.
Ferner sollten komplexe Fragen bzw. Aussagen vermieden werden, da sie für den Befragten eine größere mentale Belastung mit sich bringen. Demnach sollten vielmehr einfache, wenig umgangssprachliche Formulierungen verwendet werden. In diesem Zusammenhang gilt es ebenfalls zu betonen, dass Fremdwörter oder Fachausdrücke, welche für den Befragten vielleicht unbekannt sind, vermieden werden sollen. Genau so sollte auf Abkürzungen und seltene Symbole verzichtet werden, um sicher zu stellen, dass alle Befragten die Fragen und Antworten ohne Probleme verstehen.

Aus: Faulbaum, Frank/ Prüfer, Peter/ Rexroth, Margrit: Was ist eine gute Frage? Die systematische Evaluation der Fragenqualität, Wiesbaden 2009, S.111 ff.

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Systematische Evaluation von Fragen anhand eines Fragebewertungssystems

23. August 2010

Nachdem ein Fragebogen erstellt wurde, geht es für den Umfrageautor im nächsten Schritt darum, den Fragebogen auf Fehler und Unklarheiten zu testen. Somit wird die Qualität der Fragen sowie letztlich die der gewonnenen Ergebnisdaten sichergestellt.

Dazu haben Faulbaum, Prüfer und Rexroth (2009) ein Bewertungssystem zur Qualitätsüberprüfung einzelner Fragen entwickelt. Das Fragebewertungssystem (FBS) ermöglicht dem Umfrageautor eine kritische Auseinandersetzung über Form und Inhalt jeder einzelnen Frage eines Fragebogens. Demnach handelt es sich primär um ein Evaluationsinstrument, das Verbesserungsbedarf bei einzelnen Fragen identifiziert, aber auch aufgrund einer detaillierten Problembeschreibung Ansätze zur Problembeseitigung liefert.

Das FBS von Faulbaum, Prüfer und Rexroth (2009) besteht aus einer Art Checkliste, in der Probleme bzw. Fehler, z.B. im Hinblick auf das Verstehen des Fragetextes und seiner Teile oder die im Fragetext beschriebenen Aufgaben, in Oberkategorien zusammen gefasst sind. Die Checkliste gibt dem Umfrageautor ein Instrument an die Hand, jede einzelne Frage des Fragebogens dahingehend zu prüfen, welche der dort aufgeführten Probleme auf die Frage zutreffen.

Zwar wurde im Zuge der Entwicklung des FBS dem aktuellen Stand der Forschung im Bereich der Fragebogenkonstruktion und –evaluation Rechnung getragen, um möglichst alle Problemtypen mit zu berücksichtigen, jedoch erhebt das FBS keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Somit kann die Anwendung des FBS die Durchführung eines Pretests zur Überprüfung der Fragequalität – insbesondere des Frageverständnisses – nicht ersetzen.

Im Folgenden werden die einzelnen Oberkategorien des FSB dargestellt. Danach erfolgt jede Woche im Unipark Blog eine konkrete Beschreibung einer Oberkategorie mit Beispielen zur Veranschaulichung.
Die FBS-Checkliste im Überblick:

I. Probleme mit Worten/ Texten
II. Unzutreffende Annahmen über Befragte
III. Erinnerungsvermögen
IV. Berechnung/ Schätzung
V. Komplexität der mentalen Leistung
VI. Nicht intendierte Nebeneffekte
VII. „Weiß-nicht“-Kategorie bei Einstellungsfragen
VIII. Kontext der Frage/ Fragensukzession
IX. Antwortvorgaben/ Antwortskalen
X. Offene Fragen
XI. Probleme im Zusammenhang mit der Aufgabenbeschreibung in selbst-administrierten Fragen

Aus: Faulbaum, Frank/ Prüfer, Peter/ Rexroth, Margrit: Was ist eine gute Frage? Die systematische Evaluation der Fragenqualität, Wiesbaden 2009, S.111 ff.

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Praktische Tipps für Befragungen

23. Juli 2010

Bei der Umsetzung einer Online Befragung gilt es grundsätzliche Aspekte einer ordentlichen Fragebogenerstellung zu berücksichtigen, um gute Ergebnisse zu erzielen. Sie geben dem Umfrageautor wichtige Hinweise im Hinblick auf die Kontaktherstellung zu den Umfrageteilnehmern, die Kommunikation, die Gestaltung des Online Fragebogens und die Kontrolle der Antworten.

Bei der Kontaktherstellung im Rahmen einer anonymen Befragung über ein Pop-up sollte beachtet werden, dass Pop-ups, welche sich wesentlich von der Internetseite unterscheiden, auf der sie platziert sind, generell weniger Aufmerksamkeit bekommen als diejenigen, die im selben Layout gestaltet sind. Dies hängt im Wesentlichen damit zusammen, dass letztere nicht als Fremdkörper der Seite bzw. Werbeinformation wahrgenommen werden. Der Text eines Pop-ups genauso wie jener einer Einladungsmail im Rahmen einer personalisierten Befragung sollte übersichtlich und knapp gehalten werden. Er sollte kurz skizzieren, worum es bei der Befragung geht, wie lange sie dauert und, dass die Angaben streng vertraulich behandelt, anonymisiert ausgewertet und nicht an Dritte weitergegeben werden. Auch die Angabe einer Kontaktadresse bürgt für Seriosität des Umfrageanbieters.

Während der Online Befragung ist es sehr entscheidend, dem Umfrageteilnehmer Glaubwürdigkeit zu vermitteln. In dem Fall einer Online Befragung ist Glaubwürdigkeit äußerst wichtig, denn sobald ein Umfrageteilnehmer das Gefühl bekommt, dass die Umfrage nicht den propagierten Zweck verfolgt, wird er die Umfrage sofort abbrechen. Demnach sollte der Befragte offen und ehrlich angesprochen werden, wozu neben einer eindeutigen und klaren Einladungsmail bzw. Pop-up eine einleitende Willkommensseite zur Umfrage gehört, auf der kommuniziert wird, was den Befragten erwartet und welche Kenntnisse/ Erfahrungen er im Zweifelsfall zur Beantwortung der Fragen mitbringen muss. In diesem Kontext ist auch die Kommunikation von realistischen Antwortzeiten während der Befragung relevant. Hierzu genügt die Anzeige eines Fortschrittsbalkens in der Befragung, welcher signalisiert, wie viele Fragen der Umfrage bereits beantwortet wurden.

Ferner ist darauf zu achten, dass dem Befragungsteilnehmer während der Umfrage nicht bloß stur Fragen entlockt werden, sondern vielmehr, dass der Befragungsteilnehmer den Eindruck einer unterhaltsamen, interessanten Umfrage hat. Dazu helfen eine Portion Kreativität und grundsätzliche Tipps in Bezug auf die Fragebogenerstellung, wie bspw. Fragendopplungen zu vermeiden und abwechselnde Fragetypen, innovative Flash-Fragetypen und Multi-Media-Elemente einzusetzen.
Ähnliches gilt auch für das Fragebogenlayout Ihrer Umfrage. Es darf nicht langweilig sein, sondern sollte die Zielgruppe ansprechen. Vorrangig dabei sind jedoch die Lesbarkeit der Fragen und eine schnelle und einfache Navigation durch den Fragebogen, so dass Scrollen grundsätzlich vermieden werden sollte.

Im Hinblick auf die Datenqualität ist es von Bedeutung, Eingaben der Nutzer anhand von Plausibilitätschecks zu kontrollieren. Diese prüfen, ob Antworten bereits vorher gemachten Eingaben entsprechen. Somit kann gewährleistet werden, dass ein stringentes Antwortverhalten der Befragungsteilnehmer vorliegt.
Insgesamt sollte ein Fragebogen kurz gehalten werden, da Befragungspersonen die Umfrage in der Regel neben ihrer primären Tätigkeit ausführen und somit nur begrenzt Zeit haben. Deshalb ist es für die Datengewinnung nicht sonderlich förderlich, überlange Fragebögen zu präsentieren. Es sollten lediglich diejenigen Fragen eingesetzt werden, die einen tatsächlichen Beitrag zur Zielsetzung der Studie leisten. Ferner ist in diesem Zusammenhang das Einbinden von Filterfragen in Abhängigkeit zuvor beantworteter Fragen eine Option. Damit können bestimmte Fragen ausschließlich gewissen Personen angezeigt werden.

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Gestaltung von Antwortskalen

16. Juli 2010

Neben offenen Fragen, Matrixfragen oder Ranking-Fragen, gehören geschlossene Fragen mit Antwortskalen zum Standardrepertoire bei fast jeder Fragebogenerstellung. Die Gestaltung von Antwortskalen, z.B. zur Messung von Einstellungen, hat einen wesentlichen Einfluss auf die Güte einer Messung und somit auf den Erfolg einer Frage. Im Folgenden werden Aspekte bzw. Effekte der Skalendefinition beschrieben, welche das Antwortverhalten der Befragten beeinflussen können.
Im Hinblick auf die Anzahl von Skalenpunkten gehen Wissenschaftler davon aus, dass Skalen eine größere Anzahl von Skalenpunkten enthalten soll. Dafür spricht, dass je feiner eine Skala, desto eher können Befragte Antworten differenzieren. Somit werden sog. Ceiling- oder Floor-Effekte vermieden. Diese treten vor dem Hintergrund auf, dass Skalenpunkte nicht das gesamte Antwortkontinuum abbilden und Antworten von Befragten, die gerne extremer geantwortet hätten, sich am untern bzw. oberen Rand der Skala häufen. Jedoch gilt es dabei auch zu beachten, dass zu viele Skalenpunkte die Klarheit der Bedeutungen der einzelnen Skalenpunkte reduzieren.

Im Regelfall wird in der Literatur unter Aspekten der Reliabilität und Validität demnach eine 5 – oder 7-Punkt-Skala empfohlen. Dabei bestehen Skalenmittelpunkte, so dass Befragte neutrale Positionen einnehmen können („weder/noch“ oder „teils/teils“). Dadurch werden Befragte nicht dazu gezwungen in der einen oder anderen Richtung zu antworten, was letztlich den Messfehler erhöhen kann. Jedoch gilt es zu berücksichtigen, dass gerade neutrale Kategorien gewählt werden, wenn der Antwortprozess unvollständig oder gar nicht durchlaufen wurde. Um dies zu vermeiden, sollte jedoch weniger auf eine neutrale Antwortmöglichkeit verzichtet werden, sondern eher der Fragebogen insgesamt unterhaltsamer gestaltet werden, so dass sich Befragte während der Umfrage nicht langweilen und sie alle Fragen und Antworten vollständig durchgehen.
Zum anderen haben wissenschaftliche Studien gezeigt, dass Kontexteffekte im Fall von Antwortskalen Einfluss auf das Antwortverhalten haben können. Hintergrund ist, dass negative Urteile von Befragten häufig vermieden werden. Demnach befinden sich Antworten eher auf der positiven Hälfte von Skalen. In diesem Zusammenhang wird vom positivity bias gesprochen. Demnach würden sich im Durchschnitt z.B. bei einer Skala von -5 bis +5 mehr Antworten auf der positiven Hälfte befinden als bei einer Skala von 0 bis 10.

Was die Frage im Hinblick auf die mögliche Verbalisierung der Skalenpunkte angeht, bestehen unterschiedliche Sichtweisen. Zwar sind numerische Werte präziser als verbale Benennungen, die häufig Raum für unterschiedliche Interpretationen lassen. Jedoch erscheinen verbale Skalenbezeichnungen natürlicher, da Bedeutungen im Alltag selten durch Zahlen ausgedrückt werden. Verbal benannte Skalenpunkte erläutern demnach eindeutiger die Bedeutung der Skalenpunkte und erhöhen somit die Leichtigkeit, mit der Personen antworten können. Unter Aspekten der Reliabilität sind verbale Skalenbenennungen also durchaus sinnvoll.

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